Die europäische Wasserrahmen­richtlinie (WRRL): die Grundlage

Wasser kennt keine Grenzen. Darum endet das Thema auch nicht an den Grenzen Baden-Württembergs. Viele Herausforderungen können nur grenzüberschreitend oder gesamteuropäisch gemeistert werden. Darum hat die EU im Jahr 2000 mit der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) europaweite Standards definiert, um den guten Zustand der europäischen Gewässer zu erhalten oder wiederherzustellen. Wir machen in Baden-Württemberg auf dieser konkreten Basis unsere Gewässer besser.

 
 

Ein ganzheitlicheres Verständnis von Wasser: „Den guten Zustand unserer Gewässer erhalten oder wiederherstellen…“ – so beschreibt die Wasserrahmenrichtlinie ihr Ziel. Was bedeutet „guter Zustand“? Nun, früher wurde hier fast ausschließlich die chemische Belastung des Wassers betrachtet. Die WRRL setzt dem nun ein ganzheitlicheres Verständnis entgegen – und betrachtet unsere Gewässer – also alle Flüsse, Bäche, Seen und das Grundwasser – auch als Lebensräume.

 

Konkrete Maßnahmen für bessere Gewässer

Aus diesem ganzheitlicheren Verständnis ergeben sich verschiedene Ziele und Tätigkeitsfelder. Dort greifen wir mit konkreten Maßnahmen in die Gewässer ein, um sie zu verbessern. Hier sind sieben dieser Maßnahmen in den jeweiligen Bereichen exemplarisch dargestellt.

 

Raue Rampe und Fischtreppe – damit der Fluss keine Einbahnstraße ist

Eine Raue Rampe ist eine aus Steinen gebaute Stromschnelle. Eine Fischtreppe ist ein technisches Bauwerk aus vielen kleinen Becken. Beides hilft Fischen, Höhenunterschiede im Gewässer zu überwinden.

Revitalisierung – aus Kanälen werden wieder Lebensräume

Bei einer Revitalisierung wird aus einem gleichförmigen Kanal aus Stein und Beton ein strukturreiches und möglichst dynamisches Fließgewässer. So finden Fische und andere Wasserlebewesen, die hier früher natürlich vorkamen, wieder Lebensräume.

Auen – Lebensraum und Hochwasserschutz der Natur

Die Aue wird regelmäßig überschwemmt und ist zum Beispiel als Lebensraum ein wichtiger Teil eines Gewässers. Für Fische dient die Aue als Kinderstube. Intakte Auen sind auch für den Menschen gut, da sie Wasser zurückhalten und somit dem Hochwasserschutz dienen.

Mindestwasser – damit Gewässer nicht trockenfallen

Wasserentnahmen, wie beispielsweise durch Wasserkraftanlagen, können Abschnitte des Gewässers ökologisch beeinträchtigen. Damit sich diese in Grenzen halten, wird eine Mindestwassermenge im Fluss definiert und sichergestellt, sodass der Fluss immer durchgängig bleibt. Durchgängig ist ein Gewässer dann, wenn Fische und andere Wassertiere es durchwandern können.

Kläranlagen – gute Reinigung des Abwassers

Häusliche und industrielle Abwässer belasten die Gewässer und können eine Gefährdung für die menschliche Gesundheit darstellen, wenn sie nicht vor Einleitung in das Gewässer ausreichend behandelt werden. Kläranlagen reinigen das Abwasser – in mechanischen und biologischen Reinigungsstufen – von organischen Schadstoffen und reduzieren Nährstoffe, wie zum Beispiel Phosphor. Besondere Aufmerksamkeit widmen wir in letzter Zeit beispielsweise den Rückständen von Arzneistoffen, Pflanzenschutzmitteln oder Haushaltschemikalien, die sich im Gewässer als Spurenstoffe nachweisen lassen. Einige davon können bereits in sehr geringen Konzentrationen von weniger als einem Millionstel Gramm pro Liter der Umwelt schaden.

Regenwasseranlagen – zum Schutz der Gewässer

Bei Regenwetter werden Schmutz und Feststoffpartikel von Straßen, Dächern und sonstigen befestigten Flächen abgeschwemmt und in die Kanalisation eingeleitet. Auch die im Kanalnetz abgelagerten Schmutzstoffe werden mitgeschwemmt. Soweit möglich sammeln wir Regenwasser getrennt vom Schmutzwasser und leiten es danach – je nachdem, woher es kommt, mit oder ohne Behandlung – in ein oberirdisches Gewässer ein oder lassen es verdunsten und versickern. Alternativ, wenn dies möglich ist, sammeln wir das Regenwasser in Regenüberlaufbecken und leiten es nach Regenende der Kläranlage zu.

Gewässerschonende Landbewirtschaftung – Nährstoffe nützen den Pflanzen und nicht dem Gewässer

Gewässerrandstreifen – mit Gehölzen bewachsen oder auch als Blühstreifen mit mehrjährigen nektar- und pollenspendenden Flächen angelegt – verhindern das Abschwemmen von Nährstoffen in die Oberflächengewässer. Darüber hinaus schützt ein ordnungsgemäßer Einsatz von Düngemitteln das Grundwasser.

 
 

Ziele und Handlungsfelder

Was will die WRRL erreichen? Sie setzt ein eindeutiges übergeordnetes Umweltziel: Flüsse, Seen, Küsten- und Übergangsgewässer sowie das Grundwasser sollen in einem „guten Zustand“ sein. Nur Gewässer in gutem Zustand können ihre vielfältigen Leistungen für den Menschen und die Umwelt langfristig erbringen. Bei Oberflächengewässern bewerten wir hierbei den ökologischen Zustand beziehungsweise das ökologische Potenzial und den chemischen Zustand. Beim Grundwasser sind es der chemische Zustand und die Menge. In Baden-Württemberg erreichen viele Gewässer diesen Zustand derzeit noch nicht. Um die Ziele der WRRL zukünftig erreichen zu können, haben wir diese Handlungsfelder identifiziert:

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Vitale Gewässer

Was vitale Gewässer auszeichnet und warum sie für die Umwelt und uns Menschen wichtig sind, das zeigen und erklären diese Videos sehr anschaulich.

 
YouTube-Video zum Thema Vitale Gewässer #1

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YouTube-Video zum Thema Vitale Gewässer #2

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Illustration: Zielicon auf Gewässer

Einfach selbst vor Ort anschauen: Hier geht’s zu den einzelnen Maßnahmen

Wollen sie sich selbst vor Ort am Beispiel von ein paar bereits umgesetzten Maßnahmen anschauen, wie revitalisierte Gewässer aussehen? Oder interessiert Sie einfach, was in Ihrer Nähe bereits alles im Rahmen von Blaues Gut passiert ist? Dann klicken Sie sich hier direkt zur Maßnahmenkarte durch und begeben Sie sich auf Entdeckungsreise.

 

Der aktuelle Status: Wo stehen wir?

Seit 2009 haben wir schon einiges umgesetzt: Hunderte Kilometer von Gewässerstrecken sind naturnah gestaltet und eine Vielzahl von Querbauwerken, wie zum Beispiel Wehre oder Wasserkraftanlagen, mit Fischtreppen versehen. So können Fische ungehindert flussaufwärts wandern. Die Abwasserbehandlung haben wir kontinuierlich ausgebaut und die Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft weiter verringert.

Und das wirkt: Viele Gewässer haben sich von einem ursprünglich mangelhaften Zustand verbessert, die meisten sind allerdings vom letztlich angestrebten Zustand noch ein gutes Stück entfernt. Wir sind also auf dem richtigen Weg – aber es gibt auch noch jede Menge zu tun.

Weitere Informationen zu den Flussgebieten Rhein und Donau und zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Baden-Württemberg (unter anderem Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme)  finden Sie auf der Webseite des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg.

 
 

Nicht nur für Fachleute interessant: die Fachtagung Vitale Gewässer

Vitale Gewässer sind gesunde Gewässer – und das ist für uns alle wichtig: Wer sich darüber ausführlicher zum Thema Gewässerökologie informieren möchte, findet hier alle relevanten Informationen und die Links zur Broschüre und den Unterlagen der vergangenen Fachtagungen.

 
 

Selbst Maßnahmen umsetzen: Gewusst, wie

Sie sind politische Entscheidungsträgerin oder politischer Entscheidungsträger und möchten gerne in Ihrer Gemeinde oder Ihrer Stadt eine Maßnahme umsetzen?

Dann klicken Sie sich auf dieser Unterseite durch und schauen Sie, was wir für hilfreiche Informationen und Materialien für Sie haben.

 

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